GEHER-RUNDBRIEF

Vom WALKEN zum Joggen

Mit Kindesbeinen hat der Mensch zunächst einmal Gehen und bald darauf schon Laufen gelernt. Unsere Zivilisation, die uns so manchen wirtschaftlichen Segen gebracht hat, hat uns allerdings auch eine große Bewegungsarmut beschert, mit allen erdenklichen, gesundheitlichen negativen Folgen. Erst mit der großen Joggingwelle, die Ende der 60-er Jahre in Bewegung kam, haben die Menschen wieder erkannt, dass ihnen ein wunderbarer kompletter Bewegungsapparat zur Verfügung steht, und wie gut es ihnen tut sich zu bewegen. Emil Zatopek, der weltbekannte Marathonläufer hat es in einem Zitat so beschrieben: „Fisch schwimmt, Vogel fliegt, Mensch läuft!“

Langjährige Erfahrungen im Lauf- und WALKING-Treff zeigen uns, dass prinzipiell jeder von uns WALKEN und laufen kann. Voraussetzung ist allerdings, dass man keine Vorschädigungen im Herz-/Kreislaufbereich und orthopädischen Bewegungsapparat hat. Um ganz sicher zu gehen, sollten wir zunächst einen Gesundheitsscheck machen und uns von unserem Doc das Okay für den Gesundheitssport geben lassen. 

Für viele von uns war WALKING der Einstieg in den Ausdauersportbereich und rein zahlenmäßig hat so mancher WALKING-Treff den Lauftreff bereits eingeholt. WALKING ist im Breitensport schon deshalb das ideale Angebot für jedermann/frau, weil wir sowohl das Herz-/Kreislaufsystem wie auch den Bewegungsapparat sehr sanft anpassen können, ohne dass wir uns überlasten, und einen Riesenspaß macht es auch noch!

Vom Sanften Soft-WALKING bis hin zum Power-WALKING haben wir ausreichend Möglichkeiten uns differenziert zu steigern. Die Belastungskontrolle über Herzfrequenzmessung ist den WALKERN ebenso bekannt wie den Läufern. Darüber hinaus ein gutes Gefühl für Ausdauer und Belastungsintensität zu erhalten, ist ebenso wichtig. 

Eine weitere Erfahrung hat uns in den letzten Jahren gezeigt, dass der Übergang vom WALKING zum Laufen (lockeres Joggen) sehr leicht ist und mittlerweile von vielen Ausdauersportfreunden praktiziert wer. Zweimal die Woche WALKEN und einmal Joggen, oder umgekehrt, wäre die ideale Breitensportkombination. 

Mit vielen kleinen Schritten vom Gehen (WALKEN) zum Traben (Joggen)!
Dahinter verbirgt sich kein großes Geheimnis, sondern vielmehr eine Philosophie des Ausprobierens. Wir müssen nur über den „eigenen Schatten springen“ und unsere guten Vorsätze in die Tat umsetzen. Absolute Voraussetzung ist allerdings, dass wir unsere Aktivitäten mit möglichst großer Sauerstoffaufnahme durchführen. Später hierzu mehr. Viele mir bekannte WALKER/innen sind mittlerweile diesen Weg erfolgreich gegangen. Ihnen hat dabei geholfen, dass das Herz- / Kreislaufsystem über nun Jahre des praktizierten WALKING-Ausdauersports angepasst war, ebenso der Bewegungsapparat, der im übrigen ein vielfaches mehr an Zeit der Anpassung benötigt als das Herz-/Kreislaufsystem! Wichtig ist auch, dass wir uns die Freude an der Bewegung erhalten und nicht den Fehler vieler Laufaussteiger machen, indem wir rennen und somit durch Überlastungen auch die Lust am Laufen und somit wieder die Freude an der Bewegung verlieren! 

Sehr ungewohnt wird es den WALKER/innen sein, nun nicht mehr mit der Ferse den ersten Bodenkontakt zu haben, was ihnen ja als Regel geboten war, um die positive Venenpumpe auszunutzen.

Das gesunde Laufen/Joggen wird von unserem bekannten Lauforthopäden Dr. Thomas Wessinghage als das Mittelfuß- / Vorfußlaufen empfohlen.

Ein Laufstil, der dem natürlichen Barfußlaufen am nächsten kommt, und uns so vor Überlastungen des Bewegungsapparates, insbesondere aber auch der Wirbelsäule schützt. Interessanterweise erfolgte in den letzten Jahren hier ein Umdenken bei den bekannten Marathonläufern und Laufbuchautoren Steffny / Pramann. Ganz aktuell setzen sich immer mehr Sportwissenschaftler mit dieser Frage auseinander, und es wird im Frühjahr 2002 hierzu ein besonderes Laufseminar geben. 

Von noch größerer Bedeutung ist, dass wir als Laufbeginner bei jedem Training die Aufwärmphase beachten und somit unserem Körper eine echte Chance zu positiven Trainingseffekten geben. Die Aufwärmphase, die eher 15 Minuten als 10 Minuten lang sein solle, ist die Zeit des Startens unserer Zellkraftwerke, die zunächst viel mehr Sauerstoff benötigen, als wir Ihnen zur Verfügung stellen können. Damit gehen wir also zunächst eine Sauerstoffschuld ein. Wählen wir jetzt auch noch eine zu hohe Laufintensität, sprich Nichtbeachtung der Aufwärmphase, kommt es im Blut zu einer Laktatüberhäufung mit der Folge, dass unsere Laufmuskeln gut funktionieren, schließlich bis zum Laufabbruch. Wählen wir dagegen eine nur geringe Belastungsintensität werden wir uns nicht nur besser fühlen, sondern auch per Herzfrequenzmessung feststellen, dass unser Belastungspuls nach ca. 10 bis 15 Minuten um erhebliche Schläge absinkt. Jetzt erst kann die eigentliche Belastungs-/Trainingsphase beginnen.

 Sehr bewährt hat sich hier die Laufkonzeption des DLV. Zwischen kleinen Trabeinheiten von zunächst ca. 100 m bis 150 m folgt rechtzeitig eine Gehpause. Rechtzeitig heißt, sie muss bereits erfolgen, ohne dass wir sie schon benötigten. Auch kurz muss sie sein, ca. 20 bis 30 Sekunden, um unseren Zellkraftwerken nicht ständig ein Zeichen des Wiederanlaufens (mit erneuter Sauerstoffschuld) zu geben. Wir sprechen hier von der lohnenden Läuferpause.

Schon nach ein paar Wochen können wir die Trabphasen Verlängern. Nach ca. 6 bis 8 Monaten könnten wir ganz auf die lohnenden Pausen verzichten. Allerdings ist hier geboten, mindestens zweimal bis dreimal die Woche ca. eine Stunde lang zu laufen, soweit als möglich, immer mit sehr großer Sauerstoffaufnahme.

Die Bedeutung der Abwärmphase und des darauf folgenden Stretchings möchte ich nicht unerwähnt lassen und auf die hierzu bekannte Laufliteratur verweisen.

Probiert es selbst einmal aus. Laufen (Joggen) lernt man nur durch Laufen!
Abschließend kann ich Euch versichern, dass der Läufer, der den Einstig über das WALKING gefunden hat, sein WALKING niemals vergessen und es deshalb im Wechsel mit Laufen auch weiter praktizieren wird.

  Gut WALKING!

Klaus Schulz

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