GEHER-RUNDBRIEF

Besser hätte es für den gastgebenden TV Friesen gestern nicht laufen – oder vielmehr gehen können. Denn der Star der Deutschen Meisterschaft im Straßengehen, deren Ausrichter der Verein war, kam aus den eigenen Reihen: Andreas Erm. Der 26-jährige Berliner schockte bei seinem Debüt auf der 50-Kilometer-Strecke alle Gegner und stellte mit 3:45:28 Stunden eine neue Weltbestzeit auf. „Es klappte erstaunlich gut, obwohl ich bereits ab der 20-Kilometer-Marke muskuläre Probleme hatte“, meinte der Grand-Prix-Sieger und Deutsche meister nach dem Zieleinlauf. „Allerdings muss ich zugeben, dass mich Jesus Angel Garcia hat gewinnen lassen.“ Der Ex-Weltmeister aus Spanien habe gemeint, ihm würden 3:48 Stunden zur Erfüllung der nationalen EM-Norm reichen und sich als fairer Sportsmann gezeigt.

Aber dieses Gastgeschenk des Spaniers schmälert Erms Leistung keineswegs. „Es ist wichtig, dass er bei seiner Premiere überhaupt durchgekommen ist. Das motiviert ihn für weitere Wettkämpfe auf dieser Strecke“ sagte der Erfurter Hartwig Gauder, vor 22 Jahren in Moskau Olympiasieger auf dem langen „Kanten“. Andreas Erm findet indes Freude an den zusätzlichen Strapazen. Der Olympia-Fünfte von Sydney über 20 Kilometer strebt bei den diesjährigen Europameisterschaften in München einen Doppelstart an. „Man kann das schaffen, denn zwischen beiden Wettkämpfen liegen drei Tage. Die müssten zur Erholung reichen“, so Vater und Coach Siegfried Erm. Bundestrainer Dr. Hans-Joachim Pathus bewertete die Leistung des Friesen-Gehers eher nüchtern: „Andreas ist nun mal ein Weltklasseathlet. Das hat er auf der langen Strecke bestätigt.“

Mit dem gestrigen Ergebnis seines eigenen Schützlings Denis Trautmann konnte Pathus allerdings nicht zufrieden sein. Der Gleinaer hielt zwar lange mit dem Spitzenduo mit, musste dann aber abreißen lassen und verpasste die EM-Norm um mehr als sechs Minuten. „Bis zur 32-Kilometer-Marke lief es noch super, dann war ich eine Runde lang viel zu schnell, und plötzlich ging gar nichts mehr“, berichtete der ältere der beiden Trautmann-Brüder, der sich mit DM-Silber im Einzel und Team-Gold trösten konnte. Die Norm für München muss er nun in sechs Wochen in Dublin erfüllen; dort will er zusammen mit seinem Bruder Mike, der gestern krankheitsbedingt nicht dabei war, starten.

aus: Naumburger Tageblatt